Das Leben eines Volksdichters

Zur Erinnerung an János Karikó

Die Biographie von János Karikó hat Erzsébet Karikó, die Enkelin des Dichters, zum Fest der Namensverleihung der Bibliothek im Jahre 1992 zusammengestellt.

„Wenn wir János Karikó's Leben und Tätigkeit heute kennenlernen möchten, lohnt es sich, einen Rückblick auf das Alltagsleben der Gemeinde Bia vor 140-150 Jahren zu machen.

Die heutige Bibliothek war damals eine römisch-katholische Schule. Weitgehend erstreckte sich die Lakatos Straße (heute Deák Ferenc Strasse), und das Luczky-Haus (heute das Haus der Familie Boros) gegenüber der Bibliothek, bedeutete schon das Ende des Dorfes. Jenseits der Häuser die Getreidefelder des Metternich Gutes.

Die heutige Szabadság Straße war damals eine Landstraße, die von Wien bis Buda führte. Auf diesem Weg gelangte man früher von Bia nach Pest, und so brachte man die Waren auf den Markt, manche Leute mit einem Wagen, manche einfach zu Fuß.

Das Rathaus stand gegenüber dem Herrschaftsschloss (heute Landwirtschaftliche Fachschule). Das dritte Haus vom Rathaus - auf dem heutigen Kalvin Platz - war das Geburtshaus von János Karikó. Auf diesem Platz, wo jetzt die Bushaltestelle ist, stand damals ein Galgenbrunnen, der Brunnen des Dorfes - er ist eigentlich heute noch da, wurde aber längst bedeckt. Der Trinkbrunnen stand außerhalb des Dorfes, links neben der Kreuzung nach Etyek. Von da musste man damals das Trinkwasser ins Dorf tragen.

Zu diesen Zeiten lebten mehrere Generationen unter einem Dach. So war es auch bei der Familie Karikó. Der Großvater, János Karikó, der ab 1777 als gelernter Schmied arbeitete, hat das Haus zusammen mit einem Viertel des Grundstückes nach dem Brand im Jahre 1811 gekauft. Der Vater, Dániel Karikó, der ab seinem 5. Lebensjahr taubstumm war, hat hier von seinem Vater das Schmiedehandwerk erlernt. Und später, am 19. Mai 1851, wurde in diesem Haus der kleine János geboren.

Der Großvater hat dem klugen Burschen vieles beigebracht. Mit vier Jahren kannte er schon die Buchstaben. Der Opa hat auf eine Holztafel Papier geklebt und darauf mit einem roten Stift das ABC geschrieben. Der kleine János hat schnell gelernt und hat sogar dem Nachbarkind András Hegedűs die Buchstaben beigebracht.

Die Großeltern sind früh gestorben, und die Mutter hat ihren ausgelassenen Sohn schon mit fünf Jahren in die Schule zu dem Herrn Rektor Károly Szászvári geschickt: „ab jetzt soll der Rektor mit Dir weiterdulden!“

Der Kleine schrieb und zeichnete sehr schön und las auch sehr gerne. Nachdem er die Schule beendet hatte, plante er mit seinem Freund Károly Boczor - Sohn des Rektors József Boczor - weiterzulernen. Sie waren fleißig, aber der Tod der Mutter von Károly und die Armut der Familie Karikó machten die Pläne kaputt.

Der 13 jährige Sohn half den Eltern bei der Ernte, und arbeitete nebenbei auch im Taglohn. Um doch etwas zu lernen, entschied er sich, in die Lehre zu gehen, und fuhr nach Buda zu einem Buchbindermeister. Er litt aber an großem Heimweh und musste nach 11 Tagen von seiner Mutter abgeholt werden. Da er im Dorf deswegen gehänselt wurde, versuchte er es wieder mit der Lehre, aber nach 2 Wochen gab er endgültig auf. Er wurde krank, blieb in Bia und fing wieder an im Taglohn zu arbeiten.

Das nächste Jahr, 1866, war im ganzen Land ein Jahr der großen Not. Es gab nicht einmal Taglöhnerarbeit in der Gegend. In Buda versuchte Janos als Herrschaftsdiener bei einem Blinden zu arbeiten, aber nach fünf Wochen war er wieder im Dorf.

Er überlegte: „Wir haben ein Haus, Weingarten, Grund und Boden, ich arbeite lieber zu Hause, dann kann in wenigstens in meinem Dorf leben.“ János Karikó hat auch Gedichte geschrieben. Er schaffte 120 neue Liedertexte auf bekannten Psalmen Melodien.

Einmal hat er in der Buchbinderei ein gefälschtes Papiergeld bekommen und versuchte, das Geld weiterzugeben. An manchen Orten gelang es problemlos, in anderen bekam er das Geld zurück. Alles schien so einfach zu sein. Die Versuchung ließ ihn nicht mehr in Ruhe. „Warum sollte es mir nicht gelingen?“ Letztendlich überwand er sich, aber schon am ersten Tag wurde er gefasst. Erst als der Stuhlrichter meinte, er hätte lieber vier Ochsen stehlen sollen, wurde ihm klar, was er getan hatte. Er meinte, wenn jemand sein Geld nicht akzeptieren will, gebt es ihm einfach zurück, als ob nichts passiert wäre.

Er wurde zu 6 Monate Gefängnis verurteilt. Wegen dieser Geschichte quälte er sich noch lange Zeit und seine Leiden sind in seinem Tagebuch zu lesen.

Im nächsten Jahr verdingte er sich als Helfer bei einem Großbauern nach Etyek. Er beschloss für sich, seinen Grund wieder selbst zu bewirtschaften. Deshalb arbeitete er zu Hause, ging in, um die nötigen Ackerbaugeräte kaufen zu können.

Nebenbei verdiente er auch in der Gräberei von Bia. Er wollte einen Wagen und ein Pferd kaufen. Sein Vater half ihm dabei und ging oft mit in die Gräberei. Aber im April 1870 passierte das Unglück: ein Felsbrocken traf seinen Vater, quetschte ihm das Bein und nach einem Monat starb er an den Folgen des Unfalls. Der Grund dafür war, dass der arme Mann taubstumm war und die Warnungen der anderen nicht hören konnte. So wurde der 19 jährige Janos plötzlich seine verwitwete Mutter und seine Geschwister, 9 und 12 Jahre, erhalten. Ab diesem Moment musste er all seine Zukunftspläne genau überlegen.

Am 4. März 1873 heiratete er Erzsébet Lázár aus Kuldó. Die fleißige und liebe Frau brachte am 25. Dezember desselben Jahres ihr erstes Kind, János, zur Welt.

Zu dieser Zeit besaß er schon den gewünschten Wagen und das Pferd. Er bewirtschaftete selbst das Gut und machte auch Transporte, beschäftigte sich mit Buchbinderei und schrieb Gedichte.

1877 wurde seine geliebte Tochter Lídia geboren. Sie lebte nur 11 Jahre, aber sein ganzes Leben lang hat ihr Vater um sie getrauert.

Noch in demselben Jahr wurde der Leseverein in Bia gegründet, wo er bis zu seinem Tode als aktives Mitglied und Sekretär tätig war.

Im Jahre 1881 bei der Gemeinderatswahl wurde er in den Gemeinderat gewählt worden und arbeitete als Geschworener, was für den 30 jährigen Mann eine große Ehre war.

Später ließ er sich auch zur Parlamentswahl aufstellen. Bei dem Wahlkampf haben die Folgern Karikó's Marschmusik im Bezirk gesungen.

Zu dieser Zeit bewirtschaftete er schon mit zwei Pferden sein eigenes und ein gemietetes Gut.

Gemäß dem Wunsch seiner Mutter blieb der kleinere Bruder im Elternhaus, und János baute für seine Familie ein neues Haus am Ende des Gartens in der Kiss Straße (heute Rákóczi Straße). Im Winter war er schon mit dem Zaun um das Haus fertig, transportierte Steine nach Hause, machte fast alles mit seinen eigenen Händen und benötigte wenig Hilfe.

Dabei erledigte er alle seine anderen Aufgaben, und schrieb nebenbei auch viele Gedichte. 1884 wurden seine Brautführerreden veröffentlicht und zwei Jahre später organisierte er eine Gesangsgruppe im Dorf.

Im Jahre 1887 erschien sein Gedichtband ‚Die Blumen der Wildnis‘. Ein Jahr später erlitt er einen sehr großen Verlust: seine Tochter Lidi starb.

1889 wurden die Freiwerber Reden auch veröffentlicht.

1890 wurde er mit überwiegender Mehrheit zum Richter gewählt, obwohl er jung und arm war und einige Jahre zuvor noch als Tagelöhner arbeitete. Damit siegte in Bia der Wunsch des Volkes gegenüber den neidischen Reichen.

In seiner richterlichen Agenda notierte er alles über die mühsamen Arbeitstage von dieser Zeit. In den folgenden drei Jahren führte er das Amt des Stellvertreters des Dorfschulzen.

Im Jahre 1896 wurde er in der neu gegründeten Kreditanstalt zum Buchhalter gewählt, wo er bis zu seinem Tode tätig war.

In diesem Jahr berichtet er unter anderem über das Millennium Fest in Bia: in den Kirchen gab es tagsüber Festgottesdienste, am Abend organisierte der Leseverein einen Fackelzug auf dem Dreieinigkeitsplatz, wo patriotische Lieder gesungen wurden und wo er sein geschichtliches Gedicht „ Das Gedächtnis des Millenniums“ rezitierte.

1897 wurde er wieder zum Richter gewählt.

Ein Jahr später berichtete er über das Jubiläum des Freiheitskrieges und 1899 über die Oktoberfeier und über den Märtyrer von Arad.

Die Zeit als Richter in Bia ging zu Ende. Obwohl er viele Feinde hat, fehlten nur 7 Stimmen zu seiner Neuwahl. Er nahm es sich nicht zu Herzen, dass er aufs Abstellgleis geschoben wurde.

Die frühere Einheit im Dorf löste sich mit der Zeit, es herrschte Zwietracht unter den Bewohnern. Nicht nur die Gemeindewahl in Bia, sondern auch die Pastorwahl in der reformierten Kirche verursachte große Unsicherheit unter den Leuten.

Im Jahre 1904 veröffentlichte er eine Auswahl von seinen Gedichten. Sein Name war mittlerweile bekannt und er wurde zu vielen Anlässen eingeladen, wo er seine selbstgeschriebenen Gedichte vortrug. Er fuhr durch ganz Ungarn und besuchte Nagyigmánd, Nagydorog, Szigetszentmiklós, Apostag, Kiskunlacháza, Ráckeve, Kunszentmiklós, Páty, Tök usw. Es gefiel ihm, aber was in seinem Heimatdorf herrschte betrübte ihn am meisten.

1906 war János Karikó Delegationsmitglied bei den Feierlichkeiten, als die Überreste des Fürsten Franz II. Rákóczi in das damalige Königreich Ungarn heimgebracht wurden. Zum Andenken daran schrieb er ein festliches Gedicht.

In der Zwischenzeit war er reich genug geworden, um als Mitglied des Bezirksrates zu kandidieren. Er bekam die meisten Stimmen von allen drei Kandidaten, der Notar von Törökbálint und der Gutsverwalter blieben beide hinter ihm.

Seine politischen Tätigkeiten allein befriedigten ihn nicht. Er arbeitete und schrieb weiterhin Gedichte.

Im Jahre 1908 machte Janos den ersten Schritt im Interesse der Expansion von Bia. In einem Brief wandte er sich an Ministerialrat Béla Darányi, und verschaffte sich auch ein persönliches Gespräch im Ministerium

Später schrieb er Anträge und zusammen mit dem Oberstuhlrichter wurde er auch zu einer Audienz von Prinzessin Metternich empfangen.

Das kleine Gebiet des Dorfes wurde schon zuvor erwähnt. Janos Ziel war, mehr Boden für die Gemeinde zu schaffen. Seinen Erfolg auf diesem Gebiete konnte er nicht mehr miterleben.

Zwischen 1908 und 1909 ordnete er seine Gedichte, bearbeitete, sortierte und verteilte die Werke in 5 Bänden. Nebenbei arbeitete er auch in der Wirtschaft. Er hatte sogar noch Zeit, Reden bei Begräbnissen zu halten oder bei Hochzeiten Freiwerber zu sein.

Ende 1908 beschwerte er sich über ständige Kopfschmerzen, nahm das aber nicht ernst. Er meinte, dass er zu viel gearbeitet hatte, wollte aber an seinem Arbeitstempo nicht ändern. Die Schmerzen vergingen auch in den ersten Monaten des folgenden Jahres nicht.

Am 19. April wurde ihm in der Kreditanstalt schlecht, trotzdem setzte er seine Arbeit fort. Doch der Anfall war schwerer als gedacht. Er musste nach Hause gebracht werden und es wurde nach dem Arzt geschickt. Letztendlich schien alles doch nicht so ernst zu sein und am 30. April arbeitete er wieder in der Anstalt.

Am 21. April schrieb er das Gedicht mit dem Titel ‚Auf meinen Grabstein‘, das heute am Friedhof der Reformierten Gemeinde in Bia auf seinem Denkmal zu lesen ist.

Im Mai leitete er eine Delegation zu Béla Darányi.

Im Januar 1910 trat er nach 9 Jahren von seinem Amte als Kurator der Kirche zurück, schrieb aber weiterhin Gedichte. Im Januar und Februar führte er noch Tagebuch, ab März gab es keine Eintragung mehr, obwohl er die Bilanz für das erste Vierteljahr noch fertiggemacht hat.

Am 2. April hatte er bei der Buchhaltung in der Kreditgenossenschaft den nächsten Anfall und verstarb noch am selben Tag.

Ein arbeitsames, aktives Leben ist zu Ende gegangen. Das Lebensfeuer, das uns soviel Licht gegeben hat, ist erloschen. Deshalb wollen wir uns beim lieben Gott für sein Leben bedanken.“

Erzsébet Karikó

 

 
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